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Der Funke springt über

Der Funke springt über

Country: Germany, Language: DE

Microstep Europa eröffnet neuen Firmensitz samt Kompetenzzentrum in Bad Wörishofen. Der Weltmarktführer im Plasmaschneiden hat in der Kneippstadt aber noch mehr vor.

Von Markus Heinrich

Zuerst ist es nur ein kurzes Flackern, dann fliegen die Funken, der Lärmpegel steigt: Ein 30000 Grad heißer Lichtbogen schneidet in wenigen Sekunden ein filigranes Werkstück aus einer zentimeterdicken Stahlplatte. Die Zuschauer beobachten das technische Spektakel durch Spezialfolie, um die Augen vor dem gleißend hellen Strahl zu schützen. Am neuen Firmensitz samt Kompetenzzentrum zeigt die Microstep Europa GmbH, was mit modernsten Schneideanlagen möglich ist. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer im Plasmaschneiden. Von Bad Wörishofen aus wird nun der europäische Markt beackert. Eine strategisch gute Entscheidung, lobte Landrat Hans-Joaachim Weirather beim Festakt zur Eröffnung der neuen Firmenzentrale am Messerschmittring und des Kompetenzzentrums an der Rudolf-Diesel-Straße. Die Nähe des Unterallgäus zu München und den europäischen Nachbarländern mache den Standort attraktiv. A 96, A 7 und der Allgäu Airport sorgten für schnelle Verbindungen. Zudem kämen 49 Prozent der Bruttowertschöpfung im Unterallgäu aus dem produzierenden Gewerbe, so Weirather. Das sei mehr als in Bayern oder Deutschland oder etwa in Großbritannien, wo dieser Wert nur bei 15 Prozent liege. Die Quasi-Vollbeschäftigung im Landkreis strich Weirather ebenfalls heraus. Dies führe aber auch zu Problemen bei der Suche nach Fachkräften. „Wir müssen deshalb schauen, dass die Menschen zu uns kommen; das müssen wir noch deutlicher in die Welt tragen“, appellierte er.
 
Das Gebäude am Messerschmittring ist ein Holzständerbau.
Das Gebäude am Messerschmittring ist ein Holzständerbau.

Der Bundestagsabgeordnete Stephan Stracke sagte, das Unternehmen Microstep stehe „für die Erfolgsgeschichte Europas“. Gegründet wurde das heute global operierende Unternehmen nach dem Fall des Eisernen Vorhangs in der Slowakei, wo die Anlagen immer noch produziert werden. Dies zeige, was Gründergeist in Freiheit leisten könne, sagte Stracke.

Von einer „neuen Epoche in der Unternehmensgeschichte“ sprach Microstep-Geschäftsführer Igor Mikulina. Die Konzentration auf Forschung und Entwicklung zahle sich aus. „Wir wollen in unserer Branche immer die beste Lösung anbieten“, sagte Mikulina. Entsprechend reicht das Angebot an Schneidetechnologie weit über Plasma hinaus. Laser-, Wasserstrahl- und Autogenschneideanlagen gehören ebenfalls zum Angebot.

Die neue Firmenzentrale sei getragen vom „Gedanken der Nachhaltigkeit“, sagte Vertriebsleiter Andreas Kaiser. In nur einem Jahr war das Gebäude in Holzständerbauweise und mit Passivhaus-Werten fertig. Die Ausstattung ist gediegen, man wolle, dass sich die Mitarbeiter wohlfühlen, sagte Kaiser. Sein Hinweis, die Gebäudekonstruktion sorge für Wärme im Winter und Kühle im Sommer, kommentierte Bürgermeister Paul Gruschka mit dem Hinweis, im Rathaus „ist das genau andersherum“. Er sei versucht, sich bei Microstep zu bewerben, scherzte Gruschka. Dass das Unternehmen sich für Bad Wörishofen entschieden habe, betrachte er als „ein Signal für den Standort“, sagte Gruschka. Er betonte vor den zahlreichen Gästen aus Politik und Wirtschaft das große Angebot der Stadt an Gewerbeflächen und die „unbürokratische Begleitung durch die Verwaltung“. Rund 2,5 Millionen Euro habe Microstep in den Firmensitz investiert, war am Rande der Veranstaltung zu hören. Rund 60 Mitarbeiter werden dort Platz finden. Derzeit arbeiten rund 50 Angestellte in der neuen Zentrale. Weltweit sind rund 500 Mitarbeiter für Microstep tätig.

Die Festgäste aus Politik und Wirtschaft erlebten im Kompetenzzentrum von Microstep, wie eine Plasmaschneideanlage mit rund 30000 Grad Hitze aus dicken Stahlplatten filigrane Werkstücke herausschneidet.

Die Festgäste aus Politik und Wirtschaft erlebten im Kompetenzzentrum von Microstep, wie eine Plasmaschneideanlage mit rund 30000 Grad Hitze aus dicken Stahlplatten filigrane Werkstücke herausschneidet.

Die Technik, die von Bad Wörishofen aus verkauft und betreut wird, kommt in einer Vielzahl von Branchen zum Einsatz. Andreas Kaiser berichtete, dass damit auch Teile für große Privatjachten entstehen, wie jüngst für das 186 Meter lange und rund eine Milliarde Euro teure Schiff eines russischen Oligarchen. Mit der Firmenzentrale ist die Bautätigkeit von Microstep in Bad Wörishofen noch nicht beendet. In einem weiteren Neubau soll eine große Variante des Kompetenzzentrums entstehen. Wann, ist noch unklar. Denn die nun gefundene Lösung gefällt den Firmenchefs recht gut.

Source: http://www.augsburger-allgemeine.de/mindelheim/Der-Funke-springt-ueber-id35534857.html